Dienstag, 30. August 2011
Wie viele Blogs würden wohl gar nicht erst angefangen zu schreiben, wenn sich die Ersteller vorher konsequenzenreich Gedanken machen würden, ob ihr Blog es auf irgendeine relevante Stufe des Niveaus und der Aufmerksamkeit schafft? Nähmen sie die wahrscheinlichen Konsequenzen ernst, sie ließen es wohl ganz; dann allerdings gäb es bald gar keine neuen Blogs mehr, jeder würde seine Energie anders umsetzen.

Dass es aber trotz dieser geringen Chancen auf Relevanz tausende neue Blogs Woche für Woche gibt, scheint irrational und ist es wohl auch. Wieso wird es aber trotzdem gemacht? Mir bieten sich mehrere Erkläungen an, ich favorisiere zwei, die nicht mal unbedingt unvereinbar sein müssen: 1. Blogs werden als expressives Mittel zur Mitteilung genutzt; d.h. auf ihnen wird im Format eines geschnürten Textpaketes einfach dem Bedürfnis der (unterstellten...) Aufmerksamkeit nachgegangen. Da macht es nichts, ob der Blog sich festsetzt als Institution - solang ich rausposaunen kann, was ich denke, reicht es. 2. Blogs werden in ihrer Eigenschaft als Lautsprecher überschätzt; d.h. mit ihnen lassen sich vermeintlich wichtige Gedanken effektiv verbreiten, wie z.B. politische/gesellschaftliche Positionen, Modeauffassungen und -eigenvorschläge.

In beiden Fällen kommt es im Wesentlichen auf den Autoren des Blogs an, und genau das unterscheidet ihn vom professionellen Journalismus. In diesem ist der Text ein nachgefragtes Produkt, Artikel, Reportagen, Rezensionen und auch intim wirkende Kolumnen oder Glossen martenstein'scher der willemsen'scher Ausmaße sind in erster Linie Produkte für einen Markt. Im Profijournalismus ist eine Maschinerie im Gang, die mit Texten als Treibstoff funktioniert und notwendigerweise Textproduzenten mitzieht. Beim Blog ist es umgekehrt, dort versucht sich ein Individuum mit Produktionen von Text, Ton oder Bild ein Gehör als Individuum zu verschaffen. Im Blog sind die Texte sind der Mittel zum Zweck der Darstellung der Person, im Profijournalismus sind die Journalisten Mittel zum Zweck des Druckes von Texten.

Wenn Blogger also versuchen, den Profijournalismus nachzuahmen, indem sie versuchen, ihren Text als Angebot auf eine Nachfrage zu gestalten, müssen sie im Anfang schon scheitern. Damit ein Start aber gelingt, muss eine belastbare Nachfrage überhaupt entstanden sein. Ein in einen gewissen Rahmen eingeflochtener Blog wird dann auch zwangsweise zur Relativierung des Bloggers führen, schließlich ist der Blog Pflicht geworden.

Alle Blogger verfolgen das Ziel, irgendwann einmal in der Pflicht für ihren Blog zu sein, weil das Interesse anderer entsprechend groß geworden ist. So auch ich. Zuerst aber bin ich mir der Probleme sehr bewusst, und sehe auch die Dissonanz zwischen der geringen Wahrscheinlichkeit, mit diesem Blog etwas sinnvolles zu schaffen, und dem Aufwand dazu. Und trotzdem mach ich es wie alle anderen auch. Wie viele andere auch werde ich darüberhinaus analysierend tätig sein (weil ich nichts anderes besser kann), und das zur Politik, Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft tun. Diese Schlagworte sind größer als ich selbst, und das interessiert mich nicht. Die Chancen zu scheitern stehen ohnehin sehr gut, da ist es doch fahrlässig, auch noch tief zu stapeln.